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Crossposten? Omnichannel? Multichannel? Was genau ist das alles?

Multichannel, Omnichannel, Crossposting – klingt kompliziert, ist es nicht. Hier erkläre ich dir den Unterschied so, dass er wirklich hängen bleibt. Versprochen.
Crossposten? Omnichannel? Multichannel? Was genau ist das alles?
CoBo völlig verwirrt zwischen Multichannel und Omnichannel!

Ich kenn das Gefühl. Du fängst an, dich mit Marketing zu beschäftigen, und plötzlich fliegen dir Begriffe um die Ohren, die sich anhören, als kämen sie aus einem Lehrbuch für BWL-Studierende im dritten Semester.

Multichannel. Omnichannel. Crossposting. Cross-Channel.
Jeder benutzt die Begriffe, keiner erklärt sie und irgendwann googelst du irgendetwas davon, ohne eigentlich zu wissen, was du überhaupt suchst.

Das räumen wir heute auf.

Ich erkläre dir die wichtigsten Begriffe rund ums Thema Multichannel-Marketing so, dass du sie nicht nur verstehst, sondern auch weißt, was das konkret für dein Business bedeutet.
Kein Fachchinesisch, keine unnötige Komplexität.
Dafür ein Beispiel, das sich wie ein roter Faden durch den ganzen Artikel zieht, damit du am Ende nicht nur theoretisches Wissen im Kopf hast, sondern ein echtes Bild.

Unser Beispiel: eine Expertin für Darmgesundheit. Nennen wir sie Laura. Laura hat einen Onlinekurs, den sie verkaufen möchte, und sie nutzt dafür verschiedene Kanäle. Was genau sie auf welcher Stufe macht – und warum das so unterschiedlich heißt – das schauen wir uns jetzt gemeinsam an.

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🔍 Inhaltsverzeichnis

  1. Erst mal: Warum überhaupt mehrere Kanäle?
  2. Multichannel: Mehrere Kanäle, nebeneinander
  3. Crossposting: Denselben Inhalt auf mehreren Kanälen veröffentlichen
  4. Cross-Channel: Wenn die Kanäle anfangen, miteinander zu reden
  5. Omnichannel: Jetzt wird's technisch und gruselig
  6. Warum Omnichannel (erstmal) nicht dein Thema ist
  7. Die drei Begriffe auf einen Blick
  8. Was das für deinen Alltag bedeutet

Erst mal: Warum überhaupt mehrere Kanäle?

Bevor wir in die Begriffe einsteigen, kurz der Kontext – weil es sonst keinen Sinn macht.

Menschen kaufen selten beim ersten Kontakt. Sie sehen dich vielleicht zuerst auf Instagram um, hören dich dann in einem Podcast, landen irgendwann auf deiner Website und melden sich erst nach ein paar Wochen für deinen Newsletter an. Der Weg vom ersten Kennenlernen bis zum Kauf führt über mehrere Touchpoints – also mehrere Berührungspunkte mit dir und deinem Angebot.

Genau deshalb macht es Sinn, nicht nur auf einem Kanal zu sein. Nicht weil du überall gleichzeitig sein musst, sondern weil verschiedene Menschen auf verschiedenen Plattformen unterwegs sind und weil du so häufiger in ihrem Bewusstsein auftauchst.

Wie du das umsetzt, dafür gibt es verschiedene Strategien. Und die heißen eben Multichannel, Cross-Channel oder Omnichannel.


Multichannel: Mehrere Kanäle, nebeneinander

Fangen wir mit dem Begriff an, der am häufigsten genutzt und am häufigsten falsch erklärt wird.

Multichannel bedeutet: Du bist auf mehreren Kanälen aktiv, gleichzeitig, aber jeder Kanal läuft für sich.

Laura ist auf Instagram, hat einen Podcast und schreibt einen Blog. Sie postet auf allen drei Kanälen regelmäßig über das Thema Darmgesundheit. Was sie auf Instagram postet, hat keinen direkten Bezug zu dem, was gerade im Podcast läuft. Der Blog funktioniert unabhängig von beiden. Jeder Kanal ist sein eigenes kleines Silo – ein eigener Funnel, der für sich funktioniert.

Das klingt vielleicht erstmal ineffizient, ist es aber gar nicht. Denn es bedeutet gleichzeitig: Lauras Instagram-Followerinnen müssen den Podcast nicht kennen, um von ihr zu kaufen. Wer den Blog findet, braucht Instagram nicht. Jeder Kanal holt seine eigene Zielgruppe ab und führt sie auf seine eigene Art zum Angebot.

Multichannel ist die Basisstrategie. Sie ist simpel, sie ist überschaubar, und sie wird von den meisten kleinen Personal Brands und Soloselbstständigen genutzt – oft, ohne dass sie wissen, dass das einen Namen hat.

Und genau hier kommt auch schon das erste Unterthema ins Spiel.


Crossposting: Denselben Inhalt auf mehreren Kanälen veröffentlichen

Crossposting ist streng genommen keine eigenständige Strategie, sondern ein Werkzeug innerhalb der Multichannel-Strategie – aber weil der Begriff so häufig auftaucht, gehört er hier definitiv erklärt.

Crossposting bedeutet: Du veröffentlichst denselben Inhalt identisch auf mehreren Kanälen.

Du kennst das wahrscheinlich von Instagram. Wenn du dort einen Beitrag erstellst, kannst du direkt im Posting-Prozess auswählen, dass der Inhalt auch auf Facebook geteilt wird. Kein Umweg, kein Anpassen – einfach 1:1 rüber. Das ist Crossposting.

Vorteil: Zeitersparnis. Du erstellst den Content einmal und bespielst damit mehrere Plattformen.

Nachteil: Was auf Instagram gut funktioniert, passt nicht immer für LinkedIn. Was auf TikTok viral geht, ist auf Pinterest fehl am Platz. Crossposting ohne jede Anpassung kann dazu führen, dass der Content auf dem Zielkanal seltsam wirkt – weil er nicht zu dessen Sprache, Format oder Community passt.

Deshalb gilt: Crossposting ja, aber mit Augenmaß. Manchmal reicht eine kleine Anpassung der Caption oder des Formats, um den Content plattformgerecht zu machen, ohne ihn komplett neu erstellen zu müssen. Das ist dann kein reines Crossposting mehr, aber genau die Art von Recycling, über die ich auf diesem Blog öfter schreibe.


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Cross-Channel: Wenn die Kanäle anfangen, miteinander zu reden

Jetzt kommen wir eine Stufe weiter. Und ich verspreche dir, der neue Begriff macht sofort Sinn.

Cross-Channel ist eine Erweiterung von Multichannel. Die Kanäle laufen nicht mehr komplett isoliert, sondern sind teilweise miteinander verbunden – sie bilden zusammen einen Funnel.

Zurück zu Laura. In ihrem Podcast spricht sie über ein neues Rezept für einen darmfreundlichen Smoothie. Aber statt das Rezept einfach nur zu erwähnen, sagt sie am Ende der Folge: „Das komplette Anleitungsvideo dazu findest du auf meinem YouTube-Kanal." Die Hörerin wandert also von Kanal A zu Kanal B.

Auf YouTube schaut sie das Video, findet in der Videobeschreibung einen Link zu einem kostenlosen Freebie – einem Rezept-PDF mit fünf darmgesunden Smoothies. Sie trägt sich ein, landet im Newsletter. Kanal C.

Im Newsletter bekommt sie über die nächsten Wochen hilfreiche Inhalte rund um Darmgesundheit – Bottom-of-Funnel-Content, der nicht mehr erklärt, was Darmgesundheit ist, sondern zeigt, wie Lauras Kurs dabei helfen kann. Kanal D.

Irgendwann kauft sie den Kurs.

Siehst du den Unterschied? Bei Multichannel ist jeder Kanal eine eigene Insel. Bei Cross-Channel bilden die Kanäle zusammen eine Reise – eine Kundinnen-Journey, die dich von der ersten Begegnung bis zum Kauf begleitet.

Das klingt nach mehr Planung? Ja, ist es auch. Aber es ist auch deutlich gezielter – und die Übergänge zwischen Multichannel und Cross-Channel sind in der Praxis oft fließend. Du verlinkst in deinem Blogartikel auf deinen Podcast? Cross-Channel. Du erwähnst im Newsletter deinen neuen Instagram-Post? Cross-Channel. Es muss kein ausgetüfteltes System sein, um diese Logik zu nutzen.


Omnichannel: Jetzt wird's technisch und gruselig

Okay, jetzt kommen wir zum Begriff, der die meisten verwirrt – weil er sich vom Rest am stärksten unterscheidet. Und weil er in einem Atemzug mit Multichannel genannt wird, obwohl er ein komplett anderes Level ist.

Omnichannel bedeutet: Alle Kanäle sind in Echtzeit miteinander verbunden und tauschen Daten über das Verhalten der Kundschaft aus.

Das ist nicht mehr nur „Kanal A verlinkt auf Kanal B". Das ist: Was die Kundin auf einem Kanal tut, beeinflusst sofort, was sie auf allen anderen Kanälen sieht.

Lass mich das an Lauras Beispiel durchspielen und ich sag direkt dazu: Das ist fiktiv. Es geht ums Prinzip.

Eine potenzielle Kundin landet auf Lauras Website, schaut sich den Onlinekurs an, klickt auf „Jetzt kaufen", gibt ihre Zahlungsdaten ein – und bricht dann ab.

Kaufabbruch. Das kennen wir alle, entweder als Shopbetreiberin oder als Käuferin.

In einem Omnichannel-System passiert jetzt Folgendes: 15 Minuten später bekommt diese Frau eine automatische E-Mail mit dem Betreff „Du hast noch etwas vergessen". Reagiert sie nicht, bekommt sie in den nächsten Tagen weitere E-Mails. Gleichzeitig wird sie einer Retargeting-Zielgruppe hinzugefügt und sieht plötzlich auf Instagram und Facebook vermehrt Werbeanzeigen für genau diesen Kurs.

Das System reagiert in Echtzeit auf ihr Verhalten. Kanalübergreifend und automatisch.

Klingt schon ein bisschen wie Science Fiction – oder zumindest wie ein kleiner Big-Brother-Moment. Aber es ist real, und du hast es selbst schon erlebt. Hast du dich jemals gefragt, warum du plötzlich überall Werbung für die Schuhe siehst, die du dir gerade angeschaut hast? Herzlich willkommen im Omnichannel-Marketing.

Das bekannteste einfache Beispiel dafür: der Meta-Pixel. Wenn du auf einer Website eine Meta-Pixel installiert hast, tracked dieser, welche Seiten Besucherinnen anschauen und kann diese Daten nutzen, um gezielt Werbung auszuspielen. Das ist im Kleinen bereits ein Omnichannel-Ansatz.


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Warum Omnichannel (erstmal) nicht dein Thema ist

Ich sag es direkt, damit wir keine falsche Erwartung aufbauen: Omnichannel ist für kleine Personal Brands und Soloselbstständige in den meisten Fällen nicht realistisch und auch nicht nötig.

Echter Omnichannel braucht ein funktionierendes Customer Relationship Management, kurz CRM. Also eine Software, die alle Kundendaten zentral verwaltet, in Echtzeit aktualisiert und kanalübergreifend nutzt. Das ist technisch aufwendig, kostet Geld, braucht Expertise in der Einrichtung und macht wirklich erst dann Sinn, wenn du eine entsprechende Datenbasis und Kundenmenge hast.

Für eine Soloselbstständige mit einem Onlinekurs, einer kleinen Community und begrenzten Ressourcen ist das weder der sinnvollste nächste Schritt noch der effizienteste Einsatz von Zeit und Geld.

Was für dich Sinn macht – und worüber ich auf diesem Blog schreibe – ist die Multichannel-Content-Strategie, gerne ergänzt um Cross-Channel-Elemente. Also: mehrere Kanäle, die jeweils guten Content liefern, und die klug miteinander verknüpft sind, wo es Sinn ergibt.

Die drei Begriffe auf einen Blick

Damit du das Gelesene nochmal sortieren kannst, hier die kurze Zusammenfassung:

Multichannel – Du bist auf mehreren Kanälen aktiv. Jeder Kanal läuft für sich, hat seine eigene Community und seinen eigenen Funnel. Simpel, effektiv, der Standard für die meisten kleinen Brands.

(Crossposting – Du veröffentlichst denselben Content auf mehreren Kanälen, ohne ihn groß anzupassen. Spart Zeit, funktioniert für manche Plattform-Kombinationen gut, sollte aber mit Fingerspitzengefühl eingesetzt werden.)

Cross-Channel – Deine Kanäle sind teilweise verbunden und führen die Kundin bewusst von A nach B nach C. Kein isoliertes Silo mehr, sondern eine durchdachte Reise. Fließende Grenze zu Multichannel, in der Praxis oft schon mit kleinen Maßnahmen umsetzbar.
Omnichannel – Alle Kanäle tauschen in Echtzeit Daten aus und reagieren automatisch auf das Verhalten der Kundschaft. Mächtig, komplex, für große Unternehmen mit CRM-System gemacht. Nicht das Ziel für Personal Brands.

Was das für deinen Alltag bedeutet

Du musst nicht zwischen diesen Begriffen wählen wie zwischen zwei feindlichen Lagern. In der Praxis nutzen die meisten kleinen Creator*innen eine Mischung aus Multichannel und Cross-Channel – ohne es so zu nennen.

Du verlinkst in deinem Newsletter auf deinen neuesten Blogartikel? Cross-Channel. Du teilst deinen Instagram-Post auch auf Facebook? Crossposting. Du bist auf drei Plattformen aktiv, ohne dass sie inhaltlich aufeinander aufbauen? Multichannel.

Die Grenzen sind fließend. Und das ist völlig in Ordnung.

Was wirklich zählt, ist nicht der Begriff, den du benutzt, sondern dass du einen Plan hast. Dass du weißt, welche Kanäle du bespielst, warum, mit welchen Inhalten, und wie du diese Inhalte sinnvoll verknüpfst oder wiederverwendest.

Denn der häufigste Fehler ist nicht, die falsche Strategie zu wählen. Der häufigste Fehler ist, gar keine zu haben und stattdessen jeden Tag neu zu entscheiden, was man postet.


Und genau dafür braucht es einen Redaktionsplan. Einen, der zu dir passt und nicht zu einem Unternehmen mit Marketingteam und fünfstelligem Monatsbudget.

CoBo Lite ist mein kostenloses Notion-Template, mit dem du deine Multichannel-Strategie übersichtlich planst. Welche Kanäle du bespielst, welche Themen wann dran sind, wie du Content sinnvoll verknüpfst – alles an einem Ort, für 0 Euro.


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